Gaming-PC Stromverbrauch: Was kostet eine Stunde Zocken?
Wie viel Watt ein Gaming-PC im Spiel und im Leerlauf zieht, warum ein 850-Watt-Netzteil nicht 850 Watt verbraucht und was eine Stunde Zocken kostet.
Ein Gaming-PC zieht beim Spielen je nach Ausstattung etwa 200 bis 550 Watt, im Leerlauf 50 bis 120 Watt. Eine Stunde Zocken kostet damit bei einem angenommenen Strompreis von 0,34 €/kWh rund 7 bis 19 Cent, der Monitor kommt mit 1 bis 3 Cent je Stunde hinzu.
Wer täglich drei Stunden spielt, kommt je nach System auf etwa 220 bis 600 Kilowattstunden im Jahr und damit auf 75 bis 204 Euro. Der Leerlaufbetrieb außerhalb der Spielzeit kann diese Summe verdoppeln, wenn der Rechner dauerhaft läuft.
Ein 850-Watt-Netzteil verbraucht keine 850 Watt
Das ist der häufigste Irrtum beim Thema. Die Wattangabe auf dem Netzteil ist eine Obergrenze, keine Verbrauchsangabe. Sie sagt, wie viel Leistung das Netzteil maximal an die Komponenten liefern kann.
Wie viel der PC tatsächlich zieht, bestimmen Prozessor und Grafikkarte im jeweiligen Lastzustand. Ein System mit einem 850-Watt-Netzteil kann beim Spielen 320 Watt ziehen und im Leerlauf 70 Watt.
Netzteile werden bewusst mit Reserve dimensioniert, aus zwei Gründen. Erstens treten kurze Lastspitzen auf, die eine moderne Grafikkarte für Millisekunden weit über ihren Durchschnittswert bringen. Zweitens arbeiten Netzteile im Bereich von 40 bis 60 Prozent Auslastung am effizientesten.
Der Wirkungsgrad des Netzteils wirkt sich allerdings aus. Ein Netzteil mit 90 Prozent Wirkungsgrad zieht für 300 Watt Komponentenleistung rund 333 Watt aus der Steckdose, eines mit 80 Prozent rund 375 Watt. Der Unterschied liegt bei etwa 42 Watt, also bei drei Stunden Spielzeit täglich rund 16 Euro im Jahr.
Wie viel Watt zieht ein Gaming-PC?
| Systemklasse | Leerlauf | Bürobetrieb | Spielen |
|---|---|---|---|
| Einstieg, integrierte oder kleine Grafikkarte | 35 bis 55 W | 55 bis 80 W | 120 bis 200 W |
| Mittelklasse | 50 bis 80 W | 70 bis 110 W | 220 bis 350 W |
| Oberklasse | 70 bis 110 W | 100 bis 150 W | 350 bis 480 W |
| High-End mit Spitzen-Grafikkarte | 80 bis 130 W | 120 bis 180 W | 450 bis 650 W |
Annahmen: Werte aus der Steckdose gemessen, Netzteilverluste enthalten, Monitor nicht enthalten. Die tatsächliche Aufnahme hängt vom Spiel, von der Auflösung und von den Bildeinstellungen ab.
Der Monitor wird getrennt gerechnet:
| Monitor | Leistungsaufnahme | Kosten je Stunde |
|---|---|---|
| 24 Zoll, Full HD | 15 bis 25 W | 0,005 bis 0,009 € |
| 27 Zoll, WQHD | 25 bis 45 W | 0,009 bis 0,015 € |
| 32 Zoll, 4K | 35 bis 60 W | 0,012 bis 0,020 € |
| 34 Zoll, Ultrawide | 40 bis 70 W | 0,014 bis 0,024 € |
Annahmen: mittlere Helligkeit, 0,34 €/kWh. Hohe Bildwiederholraten und HDR erhöhen den Wert.
Stromkosten berechnen: ein vollständiges Beispiel
Ein Mittelklasse-System zieht beim Spielen gemessene 300 Watt, der 27-Zoll-Monitor 35 Watt. Gespielt wird drei Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche. An den übrigen Stunden läuft der Rechner nicht.
- Leistung gesamt: 300 + 35 = 335 Watt
- Verbrauch je Stunde: 335 ÷ 1.000 = 0,335 kWh
- Kosten je Stunde: 0,335 × 0,34 = 0,114 Euro
- Verbrauch pro Woche: 0,335 × 3 × 5 = 5,025 kWh
- Jahresverbrauch: 5,025 × 52,142857 = 262,02 kWh
- Kosten pro Jahr: 262,02 × 0,34 = 89,09 Euro
Eine Stunde Zocken kostet in diesem Beispiel also rund 11 Cent.
Mit dem Stromkostenrechner rechnen Sie das mit Ihrer gemessenen Wattzahl, Ihrer Spielzeit und Ihrem eigenen Strompreis durch.
Jahreskosten nach Spielzeit
| Spielzeit pro Tag | 200 W System | 335 W System | 500 W System |
|---|---|---|---|
| 1 Stunde | 24,82 € | 41,58 € | 62,05 € |
| 2 Stunden | 49,64 € | 83,15 € | 124,10 € |
| 3 Stunden | 74,46 € | 124,73 € | 186,15 € |
| 4 Stunden | 99,28 € | 166,31 € | 248,20 € |
| 6 Stunden | 148,92 € | 249,46 € | 372,30 € |
Annahmen: PC und Monitor zusammen, 365 Tage, 0,34 €/kWh, kein Leerlaufbetrieb außerhalb der Spielzeit.
Der Leerlauf ist oft teurer als das Spielen
Viele Rechner laufen deutlich länger, als gespielt wird. Musik, Downloads, geöffnete Browserfenster oder schlicht Vergesslichkeit halten das System im Betrieb.
| Nutzungsmuster | Verbrauch pro Jahr | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| 3 h Spielen, danach ausgeschaltet | 262 kWh | 89,09 € |
| 3 h Spielen, 5 h Leerlauf bei 80 W | 408 kWh | 138,76 € |
| 3 h Spielen, 12 h Leerlauf bei 80 W | 613 kWh | 208,29 € |
| 3 h Spielen, 21 h Dauerbetrieb bei 80 W | 876 kWh | 297,74 € |
Annahmen: 335 W beim Spielen inklusive Monitor, 80 W im Leerlauf ohne Monitor, 365 Tage, 0,34 €/kWh.
Ein Rechner, der rund um die Uhr im Leerlauf läuft, kostet damit mehr als jedes andere Haushaltsgerät außer der Heiztechnik. Der Energiesparmodus nach 15 bis 30 Minuten Inaktivität ist deshalb die wirksamste Einzelmaßnahme.
Was den Verbrauch beeinflusst
Grafikkarte
Sie ist der größte Einzelposten. Zwischen einer Einstiegskarte und einem Spitzenmodell liegen im Spiel 250 Watt und mehr. Die Leistungsaufnahme hängt zusätzlich davon ab, wie stark die Karte ausgelastet wird.
Prozessor
Im Spiel liegt der Prozessor meist zwischen 50 und 150 Watt. Bei Anwendungen, die alle Kerne auslasten, etwa Videobearbeitung, steigt der Wert deutlich, während die Grafikkarte dann oft weniger zieht.
Auflösung und Bildwiederholrate
In 4K arbeitet die Grafikkarte stärker als in Full HD. Gleichzeitig wird der Prozessor entlastet. Unterm Strich steigt der Gesamtverbrauch mit der Auflösung.
Bildratenbegrenzung
Ein Spiel, das ohne Begrenzung 300 Bilder pro Sekunde rendert, lastet die Grafikkarte voll aus. Eine Begrenzung auf die Bildwiederholrate des Monitors senkt die Aufnahme spürbar, ohne dass sichtbar Qualität verloren geht. Bei 144 statt 300 Bildern sinkt die Aufnahme je nach Spiel und Karte um 20 bis 40 Prozent.
Netzteil-Wirkungsgrad
Zertifizierungen wie 80 Plus Bronze, Gold oder Platinum beschreiben den Wirkungsgrad bei verschiedenen Lastpunkten. Der Unterschied zwischen Bronze und Gold liegt bei etwa 3 bis 5 Prozentpunkten, bei 300 Watt Last also bei rund 10 bis 18 Watt.
Peripherie
Lautsprecher, zweiter Monitor, externe Festplatten, RGB-Beleuchtung, Ladegeräte und ein Headset-Dock summieren sich auf 10 bis 40 Watt und laufen oft mit, auch wenn der PC aus ist.
Softwareanzeigen und ihre Grenzen
Programme zur Hardwareüberwachung zeigen die Leistungsaufnahme von Prozessor und Grafikkarte an. Diese Werte sind nützlich, aber unvollständig.
Sie erfassen nicht:
- Mainboard, Arbeitsspeicher und Laufwerke
- Lüfter, Wasserkühlung und Beleuchtung
- die Verluste des Netzteils
- den Monitor und die übrige Peripherie
Die Summe aus CPU- und GPU-Anzeige liegt deshalb typischerweise 60 bis 120 Watt unter dem tatsächlichen Wert an der Steckdose. Für die Stromrechnung zählt allein die Messung am Netzstecker.
Spielkonsole gegen Gaming-PC
Konsolen sind auf einen festen Leistungsrahmen ausgelegt und ziehen deshalb weniger als ein vergleichbar leistungsfähiger PC.
| Gerät | Leerlauf und Menü | Spielen | Kosten je Stunde |
|---|---|---|---|
| Aktuelle Heimkonsole | 40 bis 60 W | 140 bis 220 W | 0,05 bis 0,07 € |
| Kompakte Konsole | 25 bis 40 W | 80 bis 130 W | 0,03 bis 0,04 € |
| Handheld-Konsole im Dock | 10 bis 20 W | 15 bis 35 W | 0,01 € |
| Gaming-PC, Mittelklasse | 50 bis 80 W | 220 bis 350 W | 0,07 bis 0,12 € |
Annahmen: ohne Bildschirm, 0,34 €/kWh. Der Fernseher oder Monitor kommt bei allen Geräten hinzu.
Bei drei Stunden Spielzeit täglich liegt der Unterschied zwischen einer Heimkonsole mit 180 Watt und einem Mittelklasse-PC mit 300 Watt bei rund 45 Euro im Jahr. Wer den PC ohnehin für Arbeit oder andere Aufgaben betreibt, rechnet nur die zusätzliche Spielzeit.
Leistungslimit und Undervolting
Grafikkarten und Prozessoren werden ab Werk mit Spannungsreserven betrieben, damit jedes Exemplar zuverlässig läuft. Wer diese Reserve verringert, senkt die Leistungsaufnahme, ohne die Rechenleistung nennenswert zu verlieren.
Zwei Wege stehen offen:
- Leistungslimit im Treiber. Bei vielen Grafikkarten lässt sich das Power Limit auf 80 Prozent stellen. Die Bildrate sinkt dabei häufig nur um wenige Prozent, die Aufnahme dagegen um 15 bis 20 Prozent.
- Undervolting. Spannung und Taktkurve werden manuell angepasst. Das erfordert Testläufe auf Stabilität, bringt aber ähnliche Ergebnisse bei voller Leistung.
Rechenbeispiel: Ein System, das beim Spielen 320 Watt zieht, kommt mit einem Leistungslimit von 80 Prozent auf rund 265 Watt. Bei drei Stunden täglich sind das 60 Kilowattstunden und rund 20 Euro weniger im Jahr.
Beide Maßnahmen senken zusätzlich die Abwärme und damit die Lüfterdrehzahl. Im Sommer wirkt sich das spürbar auf die Raumtemperatur aus.
Verbrauch selbst messen
Ein Energiekostenmessgerät für 15 bis 30 Euro liefert die Zahl, die auf Ihrer Rechnung landet.
- Messgerät zwischen Steckdose und PC-Netzteil stecken
- den Wert im Leerlauf ablesen, nach zwei Minuten ohne Eingabe
- ein anspruchsvolles Spiel starten und den Wert nach zehn Minuten ablesen
- den Monitor getrennt messen
- beide Werte addieren
Wer mehrere Geräte an einer Steckdosenleiste betreibt, misst die gesamte Leiste. Das ergibt den realistischen Wert für den gesamten Arbeitsplatz.
Stromkosten senken: was beim Gaming-PC wirkt
- Energiesparmodus nach 15 bis 30 Minuten. Der größte Hebel, weil der Leerlauf oft mehr Stunden hat als das Spielen.
- Bildrate begrenzen. Auf die Bildwiederholrate des Monitors einstellen, das spart 20 bis 40 Prozent Grafiklast bei gleicher sichtbarer Qualität.
- Monitor schlafen legen. Nach fünf bis zehn Minuten Inaktivität.
- Peripherie an eine schaltbare Leiste. Lautsprecher, Dock, RGB-Beleuchtung und Ladegeräte laufen sonst unbemerkt weiter.
- Grafikkarte im Treiber begrenzen. Ein Leistungslimit von 80 Prozent kostet oft nur wenige Prozent Bildrate, senkt die Aufnahme aber deutlich stärker.
- Beim Netzteilkauf auf den Wirkungsgrad achten. Der Aufpreis für eine bessere Zertifizierung rechnet sich bei vielen Betriebsstunden.
Wie viel eine einzelne Maßnahme bringt, hängt stark vom System ab. Verlässlich ist der Vergleich einer Messung vorher und nachher.
Häufige Fragen
Was kostet eine Stunde Zocken?
Bei 0,34 €/kWh und einem Mittelklasse-System mit 335 Watt inklusive Monitor kostet eine Stunde rund 11 Cent. Ein Einstiegssystem mit 200 Watt liegt bei 7 Cent, ein High-End-Rechner mit 550 Watt bei rund 19 Cent.
Wie viel Watt verbraucht ein Gaming-PC?
Beim Spielen je nach Klasse 200 bis 550 Watt, im Leerlauf 50 bis 120 Watt. Der Monitor kommt mit 15 bis 70 Watt hinzu. Die Angabe auf dem Netzteil ist eine Obergrenze und kein Verbrauchswert.
Verbraucht ein 850-Watt-Netzteil immer 850 Watt?
Nein. Das Netzteil liefert maximal 850 Watt, zieht aber nur so viel, wie die Komponenten anfordern, plus die eigenen Verluste. Ein System mit einem 850-Watt-Netzteil kann beim Spielen 320 Watt und im Leerlauf 70 Watt ziehen.
Wie viel Strom verbraucht ein Gaming-PC im Jahr?
Bei drei Stunden Spielzeit täglich und 335 Watt sind das rund 262 kWh und damit etwa 89 Euro im Jahr. Läuft der Rechner zusätzlich zwölf Stunden im Leerlauf, steigt der Wert auf rund 613 kWh und 208 Euro.
Lohnt es sich, den PC nachts auszuschalten?
Ja, deutlich. Zwölf Stunden Leerlauf bei 80 Watt kosten rund 119 Euro im Jahr. Herunterfahren oder Energiesparmodus kosten nichts und sind in wenigen Sekunden erledigt.
Weiterrechnen
Router und Fernseher gehören zur selben Dauerlast im Haushalt. Die Rechnungen dazu stehen in den Beiträgen Router Stromverbrauch und Fernseher Stromverbrauch.
Mit dem Stromkostenrechner berechnen Sie die Kosten Ihres Systems mit der gemessenen Wattzahl, Ihrer Spielzeit und Ihrem eigenen Strompreis.
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